Artikel aus der Neuß Grevenbroicher Zeitung vom 06.05.2007


Neuss


Seemannslieder und gute Stimmung
von Jessica Dedic

Grimlinghausen - „What shall we do with the drunken sailor“-
Diese Zeilen stammen aus einem der wohl bekanntesten Shanties der Welt. Ein Shanty ist ein Seemannslied, das früher von Matrosen gesungen wurde während der gemeinschaftlichen harten Arbeit an Deck, um sie ein wenig erträglicher zu machen.

Erträglicher machen musste der Shantychor des Marinevereins Neuss die Arbeit der vielen Besatzungen zwar eigentlich nicht, mit seinen Liedern sorgte er unter den Zuschauern und Teilnehmern aber dennoch für eine gute Stimmung.

„Sechs oder sieben Jahre lang war ich nun nicht mehr beim Anfahren dabei. Jetzt, da mein Boot wieder gut funktioniert, war es für mich natürlich ein Muss teilzunehmen“, sagt Bernd Riemer, Besitzer des Segelbootes „Fee“. Seit 1969 ist er Mitglied im Neusser Wassersportverein und - so sagt er - mit ihm alt geworden. Das Anfahren sei für ihn einfach Tradition, da müsse man sich doch für begeistern.

Schon seit mehr als dreißig Jahren eröffnen die Neusser Wassersportvereine gemeinsam die Wassersport-Saison durch dieses so genannte Anfahren. Dabei werden die Kanus, Segel-, Motor- oder Ruderboote nach der Winterpause wieder zu Wasser gelassen. Ausrichter des Anfahrens war am Sonntag der Neusser Ruderverein, der mit über 550 Mitgliedern zu einem der größten Rudervereine Deutschlands zählt.

„Es ist wirklich eine gelungene Veranstaltung geworden“, findet der Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der Neusser Wassersportvereine, Franz-Josef Schäfer. Gelungen, vor allem, dank des guten Wetters und der hohen Beteiligung an Booten, aber auch wegen des tollen Zusammenhaltes in der Wassersportgemeinschaft. „Die Kameradschaft im Wassersport ist wirklich einzigartig. Da hilft jeder jedem.“ Dieser Zusammenhalt würde gerade die Neusser Wassersportvereine auszeichnen.

Der 13 Jahre alte Patrick Reimann ist zum ersten Mal beim Anfahren - in seinem Fall beim Anpaddeln - mit dabei. Seit zwei Jahren fährt Patrick schon Kanu. Entdeckt hat er es für sich bei einem Schnupperkursus des Kanu-Clubs. „Das Kanu-Fahren hat mir damals einfach gefallen und heute dabei zu sein, ist schon toll. Da würde ich auch nochmal mitmachen“, findet er.

Gerade die Förderung der Jugend im Wassersport sei eine ganz wichtige Aufgabe, sagt Bürgermeister Herbert Napp, der die Saison eröffnete, und den Teilnehmern die obligatorische handbreit Wasser unterm Kiel wünschte. „Für eine Stadt wie Neuss ist es, durch die Lage am Rhein, wichtig, aktiv den Wassersport und die Jugendarbeit zu unterstützen.“

Der Sandhofsee an der A46 soll deshalb auch bald zum Wassersportzentrum ausgebaut werden. Franz-Josef Schäfer ist überzeugt davon, dass eine solche Anlage für den Wassersport und die Nachwuchsförderung von Vorteil wäre: „Dort könnte man den Kindern in einem sicheren Umfeld, ohne die starken Strömungen, wie im Rhein, zum Beispiel das Segeln beibringen, und ihre Lust auf den Wassersport wecken.“

Kanus, Segel-, Motor- und Ruderboote tümmelten sich im Sporthafen in Grimlinghausen beim traditionellen Anfahren der Wassersportvereine. Bei gutem Wetter feierten Besatzungen und Zuschauer die Eröffnung der Wassersport-Saison. NGZ-Foto: A. Woitschützke

Kanus, Segel-, Motor- und Ruderboote tümmelten sich im Sporthafen in Grimlinghausen beim traditionellen Anfahren der Wassersportvereine. Bei gutem Wetter feierten Besatzungen und Zuschauer die Eröffnung der Wassersport-Saison. NGZ-Foto: A. Woitschützke