Trainingslehrgang Slalom in Augsburg

Freitags Nachts um zwei Uhr schlafen die meisten Menschen, nicht so ein kleiner Teil unserer Slalomgruppe. Diese haben sich getroffen um die nicht ganz 600 Kilometer lange Reise nach Augsburg anzutreten. Sechs Stunden Fahrt, etliche Autobahnkilometer, ein brennender LKW und schließlich auch der Sonnenaufgang kurz vor Stuttgart steckten in den Knochen aller,

Gerade mal seit einem Jahr am Paddeln: Hendrik

als am nächsten Morgen der berühmt-berüchtigte Augsburger Eiskanal begutachtet werden konnte. Um vier Olympische Medaillen wurde auf dieser Strecke 1972 gekämpft, ebenso schon um dutzende Welt- und Europameistertitel und Weltcuppunkte. 

Als die komplette Anlage von Jugendkanal über BLZ-Strecke und Olympiastrecke erkundet wurde und das Frühstück auch geraume Zeit zurück lag ging es endlich aufs Wasser. Ob es leichte Nervosität war oder doch nur die Aufregung auf einer der bedeutendsten Slalomstrecken der Welt paddeln zu dürfen sei dahin gestellt, was sicher ist, ist dass niemand zu stoppen war als es endlich los ging. Die erste Trainingseinheit wurde ganz dem Kennenlernen gewidmet, zuerst der Jugendkanal, danach die BLZ-Strecke. Die berühmteste Strecke des riesigen Trainingsgeländes wurde zunächst hinten angestellt. Emily, Maike und Hendrik kannten bis dahin nur die heimische Erft, sowie ein paar weitere Strecken in NRW, welche kaum mit der Heimstrecke vieler Olympia-, Welt-, und Europameister verglichen werden kann. Nur Louis hat schon großes Wildwasser im Kanupark Markkleeberg schnuppern dürfen.

Die vier Sportler mit Trainer Matthias

 In den nächsten zwei Einheiten wurde es dann interessanter. Nachdem der Jugendkanal vom Wasser erkundet wurde und der ein oder andere herausfinden konnte, ob der Eiskanal seinem Namen auch gerecht wird (in den Tagen in Augsburg konnten wir keine einzige Kenterung verzeichnen ;-P) und jede Welle und Walze genau zugeordnet werden konnte ging es an die Torstäbe. Wehr durchfahren, rechts direkt aufwärts und im Anschluss Tor 7, 8 und 9 abwärts. Die vorgegebene Strecke von den Trainern Matthias und Fabian klingt beim Lesen ganz leicht, jedoch waren die drei Tore gut versetzt und nur durch eine Welle mit abschließender Walze befahrbar. So musste jeder von Tor sieben durch die obere Welle zu Tor acht surfen und durch die untere Walze zu Tor neun zurücksurfen. Für Emily und Co. klang diese Strecke anfangs für jeden einzelnen unmöglich. Rückblickend kann man sagen, dass jeder ohne Probleme Walze fahren kann :-).

Doch war dies lang nicht das schwerste was die Jugendlichen fahren mussten, schließlich gibts da ja noch den Eiskanal mit seiner Waschküche, Bogenbrücke, Moby-Dick, Korkenzieher und Torpedowalze. Wieder wurde erst mal die Strömung ohne Tore erkundet.

Emily mitten in der „Waschküche“

 

Viel Wasser ist am Wochenende den Eiskanal in Augsburg runtergeflossen und auch alle Sportler waren nach zwei harten Trainingstagen sichtlich mitgenommen. Was kann da gut helfen? Ein Tag Trainingspause. Auch diese Idee hatten die beiden Trainer Matthias und Fabian, jedoch einen ganzen Tag ohne Wasser würde bei nur 4,5 Tagen Aufenthalt viel Trainingszeit bedeuten die wegfällt. Also wurde die erste Einheit weggelassen und die Reise ging ins 100km entfernte Füssen an der Grenze zu Österreich. Hier befindet sich der 12 Meter hohe Lechfall, ein künstlicher Wasserfall, welcher erst zum Hochwasserschutz gebaut wurde und später zur Energiegewinnung durch die Wasserkraft genutzt wird. Heute zählt der Lechfall zu den 100 schönsten Geotypen Bayerns und ist ein beliebtes Ausflugsziel.

Der Ausflug nach Füssen wurde noch mit einem Baumkronenweg über die Deutsch-Österreichische Grenze gekrönt. Am Nachmittag ging es dann wieder aufs Wasser. Aufgeteilt in zwei Gruppen mit je zwei Sportlern konnte auf jeden individuell eingegangen und trainiert werden. Während Maike und Louis weitere Erfahrungen auf dem Eiskanal sammeln durften ging es für Emily und Hendrik nochmals auf den Jugendkanal um dort noch mehr Torpassagen trainieren zu können.

Maike lernt die Bogenbrücke kennen

Alle unsere Sportler sind über sich hinausgewachsen, so konnte Maike feststellen, dass einen Schwall runter fahren nicht immer gleich ist. Es kann auch durchaus mal passieren, dass man die Abfahrt mit einer Kerze und anschließendem tiefen Stützen beenden kann. 

Louis mitten drinnen

Ebenso durfte auch Louis an derselben Stelle feststellen, was es heißt sehr tief Stützen zu müssen. Zusammenfassend gab es bei dem Lehrgang in Augsburg nicht eine einzige Kenterung, dafür aber ein dutzend Rollen und noch viel viel öfters wurde sehr sehr tief gestützt. Trainer Fabian ist mit seinen Schützlingen rundum zufrieden und wurde von jedem einzelnen seiner Sportler mehr als positiv überrascht. „Ich hätte nicht erwartet, dass die Kids den Eiskanal so gut bewältigen“. Matthias hingegen ist Anfang des Jahres vom Hildener KC nach Neuss gewechselt und frisch ins NKC-Training eingetreten „Es hat mir viel Spaß gemacht und es ist super zu sehen wie sich die Vier innerhalb weniger Tage so schnell weiterentwickeln“.

Gerade mal seit einem Jahr am Paddeln: Hendrik

Viel wurde in den 4,5 Tagen gepaddelt, aber die Augsburger Innenstadt mit ihren mehr als 2000 Jahren Geschichte wurde auch erkundigt. Besonderes Highlight war aber die Überraschung die sich die beiden Trainer überlegt hatten. Das erste Trainingslager sollte noch lange in Erinnerung bleiben, so ging es also nicht direkt nach Hause sondern die Reise ging nach München. Zwei Ziele hat sich Fabian rausgesucht, die unbedingt noch mitgenommen werden sollten. Einer davon, wie sollte es auch anders sein, hatte wieder mit Wasser zu tun: Die Münchener Eisbachwelle am Englischen Garten. Hier stellte ein Surfer nach dem anderen sein Können bei super Wetter vor. Der zweite Punkt hatte wieder was mit dem Augsburger Eiskanal zu tun. Ziel war der Münchener Olympiapark und der im südlichen Teil gelegene 56 Meter hohe Olympiaberg, von dem sich ein hervorragender Blick auf die Münchener Skyline, sowie das direkt zu Füßen liegende Olympiagelände verschaffen ließ.

Blick vom Olympiaberg in München

Für jeden einzelnen gab es viele neue Erfahrungen, die in der kommenden Saison bestimmt schon angewendet werden können. Für Louis geht es, wenn er sich auf heimischer Strecke qualifiziert, am 8.-9. Juli wieder nach Augsburg zu den Deutschen Jugend- und Juniorenmeisterschaften.

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